Dieser Text geht auf meinen Bericht vom 19. März 2026 zurück. Der beschriebene Bildstand und die Fotografien stammen aus dieser Zeit.
Die Vorlage für dieses Bild entstand in etwa zwei Minuten. Ich beschrieb einem Bildgenerator das Motiv, probierte einige Varianten aus und entschied mich für eine Frau in tiefrotem Stoff, deren Gesicht zum Teil im Schatten lag. Anschließend spannte ich eine große Leinwand auf, mischte meine Ölfarben und begann zu malen. Als ich im März darüber schrieb, steckten ungefähr hundert Arbeitsstunden im Bild, und es war noch nicht fertig.
Diese beiden Zeitangaben beschreiben unterschiedliche Aufgaben. Der Generator hatte mir eine Komposition geliefert, mit der ich arbeiten wollte. An der Leinwand musste ich entscheiden, wie daraus mit meinen Farben, meinen Fähigkeiten und den Eigenschaften des Materials ein Gemälde entstehen sollte. Der digitale Entwurf machte den Anfang leichter, während die malerische Arbeit weiterhin vor mir lag.

Die Vorlage als Arbeitsmittel
An der Bildgenerierung schätze ich die schnelle Suche. Stimmung, Bildaufbau und Farbigkeit lassen sich variieren, bevor ich mich auf eine Fassung festlege. Bei dieser Arbeit suchte ich das Verhältnis zwischen dem sichtbaren Gesicht und dem verhüllenden Stoff, zwischen Licht und Dunkelheit. Die ausgewählte Vorlage gefiel mir auch als eigenständiges digitales Bild.
Damit war allerdings meine Absicht noch nicht erfüllt. Ich wollte mit Ölfarbe arbeiten und beim Malen lernen, das Motiv selbst zu gestalten. Dazu gehörte auch, Entscheidungen zu treffen, die sich aus der Vorlage nicht einfach ablesen ließen. Eine Farbfläche auf dem Bildschirm sagt mir noch nicht, wie dünn ich die Farbe auftragen muss oder wie eine weitere Lasur die bereits vorhandenen Schichten verändert.
Schichtmalerei verlangt Entscheidungen am Material
Den Anfang machte eine dünne Imprimitur aus gebrannter Siena, die das Weiß der Leinwand abtönte. Darauf legte ich die Untermalung in Umbra und Weiß an. Sie bestimmte die Helligkeitswerte und damit die Struktur des Bildes, bevor die eigentliche Farbigkeit hinzukam. Erst auf dieser Grundlage baute ich Stoff, Haut und Schatten mit transparenten oder halbtransparenten Farbschichten auf.
Das Rot bestand aus fünf oder sechs etwas unterschiedlichen Schichten. Jede davon veränderte den Eindruck dessen, was bereits darunterlag. Ich musste Farbe, Auftrag und Trockenzeit zusammen beurteilen, statt nur einen passenden Rotton zu finden. Ein einzelner Stoffbruch konnte einen Abend beanspruchen, und zwischen zwei Schichten lagen mitunter drei Tage Wartezeit.

Diese Arbeit ließ sich nicht allein durch einen besseren Plan beherrschen. Ich musste am Bild sehen, wie sich mein nächster Eingriff auswirkte, und mit den Folgen leben. Zu frühes Weiterarbeiten konnte die Oberfläche trüben und die Arbeit einer Woche kosten. Solche Wochen hatte ich erlebt. Daraus lernte ich, die Trockenzeiten als Teil der Arbeit zu akzeptieren.
Allein in einem Detail des Gesichts steckten ungefähr fünfzehn Stunden. Auf einen warmen Grund folgten ein kühler Mittelton, eine warme Aufhellung und eine abschließende transparente Lasur. Für diese Entscheidungen war der tatsächliche Zustand der Farbe maßgeblich. Die Vorlage blieb eine Orientierung, aber die nächste Handlung musste ich an der Leinwand beurteilen.

Arbeitszeit und persönlicher Wert
Hundert Stunden Aufwand sind für sich genommen kein Qualitätsnachweis. Ein Bild wird nicht automatisch besser, weil seine Entstehung lange dauert, und eine digitale Arbeit verliert ihren Wert nicht durch schnelle Werkzeuge. Für mich gehörten das Mischen, das Beobachten und die schrittweise Verbesserung jedoch zum Zweck dieser Arbeit. Würde ich nur die Zeit bis zu einer darstellbaren Abbildung messen, erfasste ich davon wenig.
Im März fehlten noch Lasuren im Stoff, Überarbeitungen der Schatten und letzte Lichter. Ich beschrieb also einen Versuch mit offenen Aufgaben. Ob das Bild am Ende die erhoffte Wirkung erreichen würde, stand damals noch aus. Gerade dieser Zwischenstand macht für mich deutlich, wie viel Urteil und Lernen zwischen einer brauchbaren Vorlage und der eigenen Ausführung liegen.

Der Bezug zur Automatisierung
Diese persönliche Unterscheidung war ein Teil der Motivation für FireScore, das ich gemeinsam mit Silke Rengstorf entwickelt habe. Malen gehört für mich zu den Tätigkeiten, die mir etwas geben. Bei der im ursprünglichen Bericht erwähnten Datenmigration war meine Bereitschaft, Arbeit an eine Maschine abzugeben, erheblich größer. Daraus folgt zunächst eine Aussage über meine eigenen Vorlieben.
Für andere Menschen kann dieselbe Tätigkeit einen anderen Stellenwert haben. Deshalb halte ich es bei einer Technologieeinführung für wesentlich, ihre Sicht auf die betroffenen Aufgaben zu verstehen. Zur technischen Machbarkeit gehören Fragen nach Entlastung, Können und der Arbeit, die jemand bewusst selbst ausführen möchte. Ein persönlicher Erfahrungsbericht beantwortet diese Fragen nicht stellvertretend für eine Belegschaft.
Auch mein Beitrag über KI und Urteilskraft beschäftigt sich mit der Aufteilung von Arbeit. Dort geht es um Entscheidungen und überprüfbare Gründe, hier um Farbe und eine Leinwand. In beiden Fällen will ich bewusst bestimmen, welchen Beitrag das Werkzeug leistet und welchen ich selbst übernehmen muss oder übernehmen möchte.
Der Maßstab für Automatisierung ist der Zweck der Arbeit.